Interview mit Hergen von Huchting: Das große Glück liegt in den kleinen Dingen

Interview mit Hergen von Huchting: Das große Glück liegt in den kleinen Dingen

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Aus unserer Coachforce stellen wir euch heute den Beziehungscoach Hergen von Huchting vor. Im Interview spricht er über das Single-Dasein, Dating in der Großstadt und die Frage, was wirklich glücklich macht. Ihr interessiert euch für ein Coaching bei ihm? Dann schaut einfach mal auf seinem Coachimo-Profil vorbei.

Wie bist du zum Coaching gekommen?

Nach dem Studium (Sprachen, Germanistik, Sport, Psychologie) habe ich eine Tanz- und Theater- Ausbildung gemacht und lange hauptberuflich künstlerisch gearbeitet. Während dieser Tätigkeit gab ich bereits erste Seminare für Körpersprache und Kommunikation. Aufbauend habe ich dann eine fünfjährige Coaching- und Supervisionsausbildung in der Schweiz absolviert und mit Diplom abgeschlossen. Danach habe ich an vielen Fortbildungen in verschiedenen Coaching- und Beratungsmethoden teilgenommen, eine Ausbildung zum Hypnotherapeut angeschlossen und eine Heilerlaubnis als Heilpraktiker für Psychotherapie erlangt.

Für wen und in welchen Bereichen bietest du Coachings an?

Im Business-Bereich für Führungskräfte und Teams. Im privaten Bereich habe ich mich auf Beziehungscoaching mit Paaren – und für andere Konstellationen – spezialisiert.

Heute wollen wir vor allem über den Bereich Beziehungscoaching und hier insbesondere über die Single-Beratung sprechen. Nehmen wir an, ich bin Single und möchte unbedingt meinen Traumpartner finden. Wie kannst du mir dabei helfen?

Es ist immer lohnend, den „Traum“ einmal genauer anzuschauen: Woher kommt der, ist das wirklich meiner, wofür steht er, was sind meine wahren Bedürfnisse und Sehnsüchte? Dann geht es um die eigene Position, dein Selbst-Gefühl und dein Selbstbewusstsein.

Um den Traumpartner zu finden ist es zunächst also einmal wichtig, sich selbst zu kennen?

Unbedingt! Wie soll ich mich jemandem bekannt machen, wenn ich mich bei mir selber nicht auskenne? Außerdem muss ich als Person greifbar sein, also mich möglichst authentisch zeigen. Mein Gegenüber will sich ja auf mich beziehen, mich spüren und erleben. Zu wissen, wer man ist und wofür man steht, ist daher schon einmal eine gute Voraussetzung für eine gelingende Beziehung.

Du lebst und arbeitest in Berlin. Hast du das Gefühl, dass das Singleleben ein Phänomen der Großstadt ist?

Nein – nur ist die Auswahl an „Mitbewerbern“ in der Stadt natürlich größer. Letztlich gibt es aber in kleineren Städten oder auf dem Land die gleichen Herausforderungen. Schließlich sind die Zeiten, in denen wir aus rein ökonomischen Gründen schnell einen Partner gesucht haben, oder gar verheiratet wurden, zumindest hier in Deutschland, doch vorbei. Richtig ist allerdings auch, dass das Angebot an Beschäftigung und Ablenkung gerade in Berlin natürlich enorm groß ist. Als Single muss man in Städten wie Berlin äußerlich also nie alleine sein – auch wenn das Getöse und (virtuelle) Glitzern um einen herum natürlich wenig helfen gegen ein innerliches Gefühl des Alleinseins. Oder anders ausgedrückt: Ich kann auch mit 500 Facebook Freunden und vielen bunten Partys recht einsam sein.

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Tun wir uns heutzutage tatsächlich schwerer damit, die große Liebe zu finden? Oder ist das eher ein subjektives Gefühl, ganz nach dem Motto: „Früher war alles besser“?

Nicht besser, aber anders. Zum einen sind die ökonomischen und gesellschaftlichen Zwänge weitestgehend nicht mehr vorhanden. Zum anderen hat diese Form der Freiheit auch ihren Preis. Das „zur Freiheit verdammt sein“, wie Sartre es schon nannte, hat ganz spezielle Herausforderungen. Ich muss Verantwortung für mich und meine Entscheidungen übernehmen. Und das birgt auch immer die Gefahr, etwas vermeintlich Besseres zu verpassen, sobald ich mich dann festlege. Für die „Generation Unverbindlich“ ist das eine große Herausforderung: das wahre Bekenntnis zu einer Sache. Das gilt für politisches und gesellschaftliches Engagement ebenso wie für die Beziehungsgestaltung.

Hältst du Dating-Apps und andere Online-Angebote eher für einen Fluch oder einen Segen mit Blick auf das Verlieben und vor allem auf das Verliebt-Bleiben?

Als zusätzliches „Gadget“ sind die digitalen Angebote sicher eine Bereicherung: Ich kann vorsortieren, von daheim aus agieren, relativ anonym bleiben und habe auf einen Schlag eine viel größere Auswahl. Gleichzeitig sind sie aber auch ein Fluch. Denn mit ihnen wird die bereits angesprochene Unverbindlichkeit unterstützt. Aus Studien wissen wir: Je größer die Auswahl, desto unwahrscheinlicher ist es, dass wir uns entscheiden. Hinzu kommt, dass virtuell oft auf Eigenschaften und Schwerpunkte Wert gelegt wird, die in der realen Begegnung gar keine Rolle spielen würden. Und schließlich besteht immer die Gefahr, dass wir uns in virtuellen Projektionen verlieren und uns einen Traumpartner imaginieren, aber auch ein Selbstbild kreieren, die so in der Realität nicht existieren.

Das Single-Dasein ist oft negativ behaftet. Letztlich ist das Ziel eigentlich immer eine feste und glückliche Beziehung. Woran liegt das? Kann man das große Glück tatsächlich nur innerhalb einer (funktionierenden) Partnerschaft finden?

Nein, das hängt immer vom Individuum und auch von der Lebensphase ab. Das „große Glück“ liegt eh mehr in vielen kleinen Dingen. Ich kann durchaus auch ohne klassische Partnerschaft, die ja sowieso mit vielen Klischees und Erwartungen belastet ist, auch als Single oder in ganz anderen Beziehungsformen sehr glücklich sein. Aber natürlich sind wir alle „Beziehungsmenschen“. Generell sehnen wir uns nach Gemeinschaft, Anerkennung und Austausch. Medien und Erziehung prägen die klassische Beziehung stark als ultimativen Glücksbringer und lassen wenig Raum in unseren Köpfen für Alternativen. Deshalb bleiben viele auch in sehr unglücklichen Beziehungen. Eine sogenannte funktionierende Beziehung – zu wem und wie auch immer diese gestaltet sein mag – ist eine wunderbare Sache und sehr bereichernd für die Lebensqualität. Ein guter Anfang ist da sicherlich auch die „Beziehung zu mir selbst“. Beziehung, wie wir sie heute verstehen, ist nur die Form. Das „Glück“ – besser das subjektive glückliche Gefühl – ist davon aber unabhängig.

Welche 3 Hashtags beschreiben dich und dein Coaching am besten?

Neugierde, Authentizität, Beweglichkeit.