Was Design Thinking wirklich kann - Ein Interview mit Coach Göran Hielscher

Was Design Thinking wirklich kann - Ein Interview mit Coach Göran Hielscher

Design Thinking Coach Göran Hielscher

Stell dich doch bitte kurz vor.

Hi, mein Name ist Göran. Das ist schwedisch und heißt „Der Mann vom Berg“. Das deutsche Äquivalent ist Georg der Drachentöter. Ich komme also vom Berg und töte Drachen. Aber nur manchmal. Denn Probleme lassen sich oft geschickter lösen. Ich helfe, den Drachen auf Deine Seite zu holen.

Auf deinem Coachimo-Profil lese ich, dass du auch Design Thinking Coach bist. Was genau kann ich mir darunter vorstellen? Woher stammt der Ansatz?

Design Thinking – kurz DT – ist eine Problemlösungsmethode, ein Ideengenerator, ein Innovationswerkzeug und ein Katalysator, um Teams jeglicher Organisationen in der Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen oder eben der Organisation selbst zu unterstützen. Zentral dabei ist, dass sich DT am Nutzer und dessen Bedürfnissen orientiert. Zudem handelt es sich um einen iterativen Prozess, in dem schon früh ein Prototyp erstellt wird, der dann in wiederkehrenden Schritten kontinuierlich verbessert wird.

Entstanden ist DT im Umfeld der Innovationsagentur IDEO. Einen Schub hat es durch die finanzielle Unterstützung von dem SAP-Gründer Hasso Plattner bekommen. Studieren konnte man die Methode zuerst in Stanford und später auch am HPI Potsdam, heute mittlerweile an vielen Einrichtungen.

Design Thinking Coaching mit Göran Hielscher

Design Thinking ist also ein Ansatz zum Lösen von Problemen oder zum Entwickeln neuer Ideen, der aus mehreren Schritten besteht. Welche sind das?

DT besteht aus fünf beziehungsweise sechs Schritte:

1) UNDERSTAND: Um das Problem zu verstehen, brauchst du einen 360-Grad-Blick, ganzheitliches Denken und einen fokussierten Geist. Schritt 1 kann man in etwa mit einem ausgefeilten Briefing-Rebriefing-Prozess vergleichen.

2) OBSERVE: Hier gehst du raus ins Forschungsfeld. Dazu nutzt du Interviews, Beobachtung und Immersion, d.h. du versetzt dich in die Rolle deines Kunden, um umfänglich zu verstehen, wie er denkt, fühlt und handelt.

3) POINT OF VIEW: Als nächstes ermittelst du einen klaren Standpunkt. Du überlegst dir, für wen genau du dein Produkt oder deine Dienstleistung entwickelst und welche konkreten Bedürfnisse deine Zielgruppe hat.

4) IDEATE: Hier geht es darum, viele und gerne auch erst einmal verrückte Ideen zu generieren. Aus der Quantität schöpfst du Qualität. Wichtig ist, dass sich das ganze Team einbringt und einander unterstützt, die beste Idee zu finden.

5) PROTOTYPE: Danach erstellst du Prototypen, die die materialisierte Form der Lösungsidee sind. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern vielmehr um das Lernen aus Fehlern. Dabei gilt das Credo „Erzähle es mir nicht – zeige es mir!“.

6) TEST: Im letzten Schritt wird das Erarbeitete getestet. Anhand des Feedbacks kannst du dann an bestimmte Schritte im Prozess zurückspringen und von dort aus wieder ansetzen. Fehler machen ist willkommen, denn so lernen wir am besten.

Design Thinking Coaching mit Göran Hielscher - 2

Du selbst beobachtest, dass immer mehr Unternehmen und Startups den Ansatz des Design Thinkings in ihre Unternehmenskultur integrieren, so etwa Airbnb. Warum gewinnt DT deiner Meinung nach an Bedeutung?

Das Tempo, in dem Unternehmen Neues auf den Markt bringen müssen, hat sich in den vergangenen Jahren enorm erhöht. Um dieses „Neue“ zu entwickeln, bietet sich Design Thinking an, denn ein großes Team sieht immer mehr als ein Einzelner. Zudem wünschen sich die Menschen heutzutage zunehmend Sinn bei der Arbeit – und der entsteht oft bei flachen Hierarchien und der Chance auf Selbstverwirklichung. Wenn du etwa bei Airbnb anfängst, dann darfst du eine Idee zur Verbesserung machen und die wird ausprobiert, ganz gleich auf welcher Hierarchiestufe du gerade stehst. Dass das großen Erfolg haben kann, zeigt sich immer wieder in der Praxis. So hat beispielsweise ein Designer von Airbnb vorgeschlagen, für die Bewertung der Unterkünfte Herzen statt Sternchen zu nehmen. Und siehe da: Die Herzen wurden zu 80 Prozent mehr genutzt.

Wer die Methode des Design Thinkings anwendet, wird schnell feststellen, dass sich eine neue Art der Kommunikation entwickelt, die sich sehr von derjenigen des „normalen“ Arbeitens unterscheidet. Ich selbst sehe dabei immer wieder die leuchtenden Augen der Teilnehmer und höre es an der Lautstärke im Raum: Es entsteht eine kreative Energie, die bei vielen einen regelrechten Enthusiasmus entfacht und versteckte Potenziale hervorholt.

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Kannst du dich noch an dein erstes Design Thinking Coaching erinnern? Was machst du heute anders und warum?

Das war bei IOSONO, einer Firma, die vom MP3-Erfinder Karlheinz Brandenburg mitinspiriert war. Es war super, denn die strategische Situation der Firma hatte bei allen Mitwirkenden zu einer großen intrinsischen Motivation geführt. Ein eigenes Problem, dass es zu lösen gilt, ist immer spannender als einfach nur ein Einstiegskurs mit einem eingebrachten Thema.

Ich denke die Anfängerfehler beim Coaching sind, zu viel zu wollen und die Gruppe nicht an den richtigen Stellen zu zügeln oder zu pushen. Heute geht auf jeden Fall das Team immer erschöpfter und dennoch zufriedener aus einem Workshop als früher. Durch einen Maßnahmenplan und Verantwortungsverteilung am Ende machen wir das Tagesergebnis anschlussfähig. Das ist wichtig, denn andernfalls gehen im „daily business“ die geernteten Früchte in Form potenter Ideen schnell wieder verloren.

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Wie kann man Design Thinking Coach werden?

Einsteigerkurse, wie ich sie anbiete, eröffnen das Kennenlernen der Methode an eigenen Problemstellungen oder auch an von mir mitgebrachten Challenges (so nennen wir Probleme lieber), die beispielsweise darauf abzielen, sich der Digitalisierung zu stellen, das Leben im (Arbeits-)Alltag angenehmer zu machen oder einfach das Luncherlebnis in der Mittagspause an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen. Deutlich verbessert werden kann immer etwas. Viel zum Thema zu lesen hilft und einfach viele Methoden selbst ausprobieren ist essenziell. Später kann man als Co-Coach bei einem Lead-Coach Projekte begleiten. Wichtig ist, das Ganze zu dokumentieren und kritisch zu reflektieren. Genau wie sich mit anderen auszutauschen und zu schauen, wie sie es machen. Denn ganz gemäß des Design-Thinking-Prozesses wissen alle zusammen immer mehr als Du alleine.

Welche 3 Hashtags beschreiben dich und dein Coaching am besten?

Da fragst Du am besten natürlich meine Kunden und Workshopteilnehmer, aber wenn ich das Feedback spiegele, dann darf ich nach einigen Jahren sicher sagen:

lebendig, abwechslungsreich, empathisch, hinterfragend (insbesondere, was zu fixe Regeln angeht)

Vielen Dank Göran, für das Interview!

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Fotos: Annett Melzer, Göran Hielscher