Entscheidungen treffen: Fluch oder Segen?

Entscheidungen treffen: Fluch oder Segen?

Coachimo Coach Felicia Gruarini als Gastautorin mit dem Beitrag - Entscheidungen treffen: Fluch oder Segen?

[Gastbeitrag]

Entscheidungen treffen? Nein Danke! Das würde man höchstwahrscheinlich nicht als eigenes Lebens-Credo für sich wählen. Jedoch wenn es darauf ankommt eine Entscheidung zu treffen, stehen wir oftmals vor einer geschlossenen Tür. Aber warum? Wir wollen doch selbstbestimmt leben, warum fällt es dann manchmal so schwer eine Entscheidung zu treffen?

Unsere Gastautorin und Coachimo Coach Felicia Guarini geht genau dieser Fragestellung auf den Grund und gibt dir noch einen tollen Trainingsplan für den Entscheidungsmuskel mit an die Hand.

Das Leben ist eine Verkettung von Entscheidungen und es müsste uns eigentlich eine Freude sein, Entscheidungen wie Perlen „einzufädeln“, um dann auf ein facettenreiches Leben zurückblicken zu können. Dennoch legen wir uns ungern fest, schieben den Entschlussmoment immer weiter auf oder legen es sogar darauf an, dass jemand anders an unserer Stelle die Wahl trifft. Warum ist das so?

Zum einen sitzen wir in der Zwickmühle: Wenn wir uns auf eine bestimmte Option festlegen, verzichten wir zwangsläufig auf eine andere, mögliche Alternative. In diesem selbst auferlegten „Optimierungsmodus“ entwickeln wir eine panische Angst, das (vermeintlich) Bessere zu verpassen und können nur schwer einen Entschluss fassen.

Zum anderen sind wir einfach auch überwältigt von der Fülle an Optionen, die sich teilweise anbietet. Es macht uns sicherlich glücklich, eine gewisse Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung zu haben, aber bei scheinbar unendlich vielen Wegen, tun wir uns schwer, überhaupt einen Schritt zu wagen. Es gibt eine gute Nachricht: Die Fähigkeit, sich zu entscheiden, ist wie ein Muskel, der trainiert werden kann. Wir können für ihn ein passendes Umfeld zum Gedeihen schaffen, ihn in verschiedenen Stilen einsetzen. Ebenso können wir Trainings-Routinen entwickeln, um ihn flink, agil und einsatzbereit zu halten.

Entscheidungsstile: Gut durchdacht oder aus dem Bauch heraus?

Um eine wirklich wichtige Entscheidung zu treffen, sollte man sich im Vorfeld relevante Informationen einholen und die Alternativen genau abwägen– wer kennt das nicht?! Dies ist in der Tat eine mögliche Vorgehensweise, gerade wenn man kein impulsiver Mensch ist. Doch manchmal sind es ausgerechnet die Bauchentscheidungen, die uns voranbringen und unser Leben in eine völlig neue Richtung lenken. Ich will damit keineswegs sagen, dass man immer impulsiv handeln soll. Jede Entscheidung, die negative Auswirkungen auf die eigenen engsten Menschen haben könnte, sollte besser gut überdacht sein. Bei weniger schwerwiegenden Entscheidungen oder solchen, bei denen wir allein die Verantwortung tragen, kann es sich dagegen lohnen, ein Sprung ins Ungewisse zu wagen. Denn wenn wir zu lange bei der Analyse der Handlungsmöglichkeiten verweilen, gehen wir das Risiko ein, uns gar nicht mehr zu trauen. Wir kommen ins Grübeln und scheuen vor den unkalkulierbaren Risiken zurück, die jede Veränderung in sich birgt.

Manchmal passiert es auch, dass impulsive Handlungen Freude und Erleichterung bei uns auslösen, bei unseren Freunden und Familie aber nur Verblüffung oder gar Kopfschütteln! Das ist meistens so der Fall, wenn ein externes Ereignis als Katalysator für einen Veränderungsprozess wirkt, der sich in uns bereits Bahn gebrochen hatte. Von außen sieht es so aus, als würden wir uns unüberlegt in eine Unternehmung stürzen, während wir in Wirklichkeit auf eine Begebenheit reagieren, die für uns der noch fehlende Teil des Puzzles ist und die erst später auch für Außenstehende in einem größeren Kontext sichtbar wird.

Dilemma-Situationen: Mit Neugier aus der Zwickmühle entkommen

Entscheidungen treffen - Gut durchdacht oder aus dem Bauch heraus?

Wenn man versucht, eine faktenbasierte Entscheidung zu treffen, kann es vorkommen, dass die erworbenen Informationen keine Klarheit bringen. Pros und Contras abzuwägen, ist nämlich bloß eine Ebene des Entscheidungsprozesses, und meistens nicht die wesentliche. Das wird vor allem dann deutlich, wenn wir vor einem Dilemma stehen, uns also mit zwei Möglichkeiten konfrontiert sehen, die gleichermaßen vertrackt sind. Beziehungsweise genauer, bei denen unklar ist, zu welchem Ziel sie führen werden. Ist eine gute Entscheidung immer die richtige? Fakt ist: Vom Ergebnis allein kann man eine Entscheidung nicht beurteilen. Wenn man zum Beispiel den besten Studienort für eine Karriere wählt, die man gar nicht verfolgen will, hat man die richtige Antwort auf die falsche Frage bekommen. Oder: „Soll ich in der Beziehung bleiben oder nicht?“ - Auch hier ist es ratsam, eine breitere Perspektive einzunehmen und das Blickfeld zu weiten: Was motiviert mich zu dieser Entscheidung? Wie viel meiner Unzufriedenheit kann ich meinem Partner zuschreiben und wie viel ist anderen Umständen geschuldet? Man könnte dabei herausfinden, dass man sich nach mehr Gestaltungsspielraum und Entfaltungsmöglichkeiten in einem ganz anderen Lebensbereich sehnt und dass die Beziehung nur der Blitzableiter der eigenen Unzufriedenheit ist. Oder eben auch nicht.

Trainingsplan für den Entscheidungsmuskel

Lösungen finden

Wie fassen wir Entschlüsse, mit denen wir uns glücklich fühlen? Einige Faktoren können diesen Prozess begünstigen:

  • Ein förderliches Umfeld. Bist du extrovertiert? Es lohnt sich, deine Gedanken mit einigen vertrauten Menschen zu teilen und zu brainstormen. Bist du dagegen introvertiert, sorge dafür, dass du (auch nur wenig) Zeit in einem reizarmen Umfeld verbringst, um ungestört auf deine Stimme zu hören.

  • Egal wie alt du bist: Du hast bereits „Entscheidungs-Erfahrung“. Besinne dich darauf, wie du in der Vergangenheit vorgegangen bist: Was hast du dabei gelernt oder womit hast du dir Schwierigkeiten eingehandelt? Vielleicht ging es um ganz andere Themen, aber trotzdem: Vertraue darauf, dass du eine Methode entwickelt hast, die du auf andere, scheinbar ausweglose Situationen übertragen kannst.

  • Entwickle eine Zukunftsvision und verweile dort. Stellt dir vor, du hast dich nun für eine Option entschieden: Was fühlst sich gut an und was nicht so gut? Und bei der anderen Alternative? Achte auch darauf, ob du dabei anspannst oder eine gelassene Körperhaltung einnimmst.

  • Trau dich, alte Muster aufzubrechen. Hast du manchmal das Gefühl gehabt, dass du (zum Beispiel) oft den Arbeitsplatz gewechselt hast, um dich in der neuen Firma in genau den gleichen Konfliktsituationen wiederzufinden? Vielleicht hast du dir deine neuen Stationen stets nach den gleichen Kriterien ausgesucht. Fordere dich heraus und wähle nächstes Mal nach entgegengesetzten Kriterien, um herauszufinden, was dir wirklich wichtig ist.

Und zu guter Letzt: Kultiviere eine Haltung, die von Offenheit und Neugier geprägt ist, damit du nach deinem inneren Kompass Kurs halten und gleichzeitig spüren kannst, wann der passende Moment kommt, um neue Wege einzuschlagen.

Zur Gastautorin Felicia Guarini

Coachimo Coach Felicia Guarini

Felicia Guarini stand oft am Scheideweg, nicht zuletzt, als sie ihre Karriere als Program Director für Wirtschaftskonferenzen gegen ihre Selbständigkeit als Kommunikationsberaterin, Mediatorin und Coach tauschte. In hoch-eskalierten Konflikten behält sie den Überblick und unterstützt ihre Klienten darin, das Beste aus einer unmöglichen Situation zu machen.

Mehr zu Felicia findest du auf ihrem Coachimo Profil.

Felicia hat im Zuge unseres Adventskalenders auch einen tollen Speed-Coaching-Tipp für dich, der dir zeigt, Wie du kreativ mit einem Ressourcen-Baum deine Ressourcen finden und aktivieren kannst.

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